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©Alex Victor / Unsplash

Bali: Strandverkäufer am Double Six Beach

Double Six Beach: Strandtuch, Sonnenbrille, Bintang. Gut durchgeplante Touristen liegen am Strand und lassen es sich gut gehen. Sie wollen ihre Ruhe. Andere sind froh über das spontane Verkaufsangebot am Strand, da sie vielleicht etwas vergessen haben. Ein Text über das harte Tagesgeschäft von Strandverkäufern und darüber, warum deshalb ein ehrlich gemeintes „Nein“ manchmal nicht genug ist.

„Hello, wanna buy sunglasses?“

Wer je in Kuta, Legian oder anderswo an Balis Stränden lag, der hat ein Bild von Strandverkäufern vor Augen. Neben ihren vollen Bauchläden oder kunstvoll auf dem Kopf getragenen Verkaufskörben, sind sie immer dick verpuppt in langer Kluft mit Halstuch und Sonnenhut, um der derbsten Mittgshitze zu trotzen. Das ist mutig, denn die meisten Indonesier suchen sich um diese Zeit ein schattiges Plätzchen um möglichst nicht braun zu werden. Für alle bule (westlichen Touristen) hingegen, ist die Mittagszeit gleich Bräunungszeit am Strand. Nur wenn die Sonne in ihrem Zenit steht, gibt es zum Mittagessen eine kurze Sonnenauszeit und ein halbes Stündchen danach eine fast-Abkühlung im Meer. Danach geht es weiter: Erneutes  Sichaalen in der prallen Sonne.

Aus eurozentristischer Perspektive sind die schönsten unter uns diejenigen, denen es in ihrer Urlaubszeit gelingt die meisten Sonnenstrahlen gleichmäßig auf ihrer Haut einzufangen. Und das ohne dabei zu verbrennen. Eine maßlos unterschätze Kunst. Hautkrebs? Hhm. Und was ist, wenn doch mal die Sonnencreme fehlt?

Kein Problem. Denn die Sonnenzeit bedeutet somit die Hauptgeschäftszeit der Strandverkäufer und so genannten Kuta-Cowboys. Die Auswahl an Verkaufs- und Verleihangeboten – besonders an so hoch frequentierten Stränden – ist kaum zu übertreffen. Von den klassischen Goodies wie Sarong, Sonnenbrille, Schmuck, Zeitschriften und Eis, reicht ihr Angebot bis hin zu den neusten Errungenschaften der Moderne wie Selfie Sticks.

Auf den ersten Blick mögen sich die Strategien der Verkäufer kaum unterscheiden, doch beim genaueren Hinhören ergeben sich klare Unterschiede. Einige locken mit einem „Good Morning Price“ andere wiederum starten ihren Aufruf mit einem positiven „Yes please“. Was für Urlauber alles wie ein und der selbe Brei klingt und manchmal an die Nerven der brutal-ehrlichen Westler-Seele geht, ist in Wirklichkeit ein harter Überlebenskampf. Ich kam mit einem der Strandverkäufer ins Gespräch, der mich im Wesentlichen zwei Dinge wissen ließ.

#Faktencheck

  1. Alle Verkäufer brauchen eine Genehmigung die im Preis, je nach ihrer Herkunft (Java, Sumatra etc.) variiert. So muss Muari aus Madura 400,000 IDR monatlich an den Stadtbezirk Legian abdrücken, um verkaufen zu dürfen. Balinesische, sprich Indigene zahlen an ihrem Strand deutlich weniger (ca. 150,000 Rp./Monat). Und:
  2. In schlechten Monaten verdient er 1,5 Mio. IDR, also knapp 100 Euro pro Monat.

Dass Muari, der eine Frau und zwei Kinder durchzubringen hat diese Regel unfair findet, braucht wohl nicht extra erwähnt werden. Ihm und seine ungleiche Konkurrenz verbindet jedoch die touristische Kundschaft. Oft sind Strandverkäufer der Wut ihrer ausländischen Gäste ausgesetzt.

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Ein gesamtindonesisches Phänomen ist es aus Höflichkeit nie seinen ehrlichen Gefühlsausdruck kundzugeben. Diese Mentalität gehört zum Gesichtwahren und zum guten Ton der Gesellschaft, wie die cabe (Chili) ins Sambal.

Trotzdem sind viele Touristen unglaublich oft genervt, werden ärgerlich und sind nicht in der Lage geschickt genug mit Humor als Waffe auf die Verkaufsstrategien der Strandhändler reagieren. Deshalb der Appell für das gegenseitige Verständnis: zehn Mal „nein/no/tidak“ rufen ist definitiv keine Lösung. Wir sind zu Gast und können doch mal versuchen uns aus ihren Augen zu sehen. Und ihr hartes und nervenaufreibendes Tagesgeschäft zu mitzudenken. Nein, ich muss deshalb nicht aus Mitleid etwas kaufen. Der von Deutschen als oberflächliche Smalltalk ist von Indonesiern erwünscht und hilft die unangenehme Situation abzuwenden. Menschen mögen keine Negation ohne Begründung – das vereint uns.

Fazit: Andere Länder, andere Sitten

Wir alle Menschen nur aus verschiedenen Kulturen und deshalb unterschiedlich sozialisiert:

  1. Westler schätzen Authenzität und direkte Worte mehr, als eine gespielte Höflichkeit.
  2. Dem Gegenüber steht das Gesichtwahren und eine unsicher-vermeidende Attitüde.
    Nichtdestotrotz haben wir Menschen alle gemeinsam, lieber ein „Nein, weil“ und etwas (gespielte) Zuwendung zu hören.

Was sind eure Strategien, um möglichst höflich/respektvoll Nein zu sagen? Salam hangat, Anna


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One comment

  1. Steffi says:

    Ui, das ist echt nicht so leicht. Hier in Jogja begegne ich nicht so oft Strandverkäufern, aber es gibt auch Leute, die mit ihren Waren durch unsere Nachbarschaft spazieren (da gibt’s alles von Körben bis zu zerteilten Hühnern). Ich sage meistens „Nein danke“, „ich möchte nicht“ oder „hab ich schon“ wenn etwas verkauft wird. Auf Bali habe ich einmal eine Kokosnuss mit „nanti“ (später) abgelehnt und musste dann später auch wirklich eine kaufen weil „You promised to buy coconut!“. So lernt man eben dazu 🙂
    Also, ehrlich sein ohne ausrasten finde ich die beste Strategie, wenn man nichts kaufen will. Wie wehrt man Verkaufsversuche denn spaßig ab? Das würd‘ ich gern mal ausprobieren 🙂

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