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Erdnussernte auf Bali: Zwischen Tourist und Attraktion

Dieser Artikel ist ein Erfahrungsbericht über die Erdnussernte auf Bali und darüber, was für Auswirkungen die ansteigenden Besucherzahlen von Fremden auf noch (fast) versteckte Orte auf der Insel der Götter hat.

Yehpoh, Karangasem. Eigentlich wollten wir nur ein paar Erdnüsse kaufen und das direkt vom Erzeuger. Kaum angekommen setzten wir uns, versackten und blieben bis zum Schluss!

Ich war schon so oft in diesem Dorf, da dort ein schöner geheimer Wasserfall die Natur ziert. Das Baden darin ist jetzt verboten und wird mit Sanktionen bestraft, da das Wasser für zeremonielle Zwecke in den balinesischen Haustempeln benutzt wird.So läuft das eben, dachte ich wehmütig, ein traumhafter Ort wird gezeigt, weitergezeigt, ein Foto wird hochgeladen und zack ist es eine Sehenswürdigkeit, die ein Schild braucht. Das Verbotsschild ist natürlich auf Indonesisch. Das Entdecken der Gegend ist nach wie vor gestattet. Deshalb plantschen unwissende Weiße weiterhin, wissende Weiße aus Respekt der Kommune gegenüber hingegen nicht.

Wayan, eine alte Schulfreundin von meinem balinesischen Kumpel ist in Yehpoh groß geworden, sie wohnt bloß fünf Minuten entfernt. Sie fragte eine andere Frau nach dem Weg zu unserem Ziel: den Erdnüssen. Sodann wurden wir los geschickt, entlang der Reisfelder und Bewässerungsbäche zum Wasserfall führt.

Ich wusste genau wo

Erdnussernte in Karangasem auf Bali

ich mich befinde, Wayan selbst jedoch

nicht. Das zeigt die traurig kleine Spannweite mancher Balinesen. Auch wenn sich die meisten ihrer atemberaubender Natur bewusst sind. Möglicherweise sind Abenteuer und Entdeckungstrips in die eigene Natur für die Kids von heute nicht mehr einladend genug? Denn Zugang zu ablenkenden Smartphones (HP pintar) und Soap Operas (sinetron) hat dort fast jeder.

Meine Freundin und ich hingegen kannten jenen Trampelpfad, der uns direkt ins Feld zu den fleißigen Frauen führte. Zwischen Bergen von Sträuchern saßen fünf warmherzige Bäuerinnen unter einem schattenspendenden Dach und zupften die, von der Erde noch feuchten Nüsse von ihren Pflanzen ab:

Noch nie hatte ich eine so eine frische Erdnuss probiert.
Es gab eigentlich von Anfang an kein typisches Kaufgespräch. Es war ein Frauenplausch über Gott und die Welt. Allgemeine Erfahrungen wurden ausgetauscht und so ergab sich zum Beispiel eine Diskussion über Naturheilmittel gegen Frauenprobleme Frauenempowerment, denn sie hatten Fragen an uns. Sie waren Mütter mit ihren Kindern, die neben ihrer Arbeit und allem anderen, einen sehr schlechten Zugang zu Information haben.
Wir Menschen in Europa haben vielleicht einen besseren Zugang zu Informationen, aber wir kennen Erdnüsse auch nur aus unserem Müsli, in der Schokolade oder als Snack. Auch ich hatte offene Fragen…

So erfuhr ich, dass die Nüsse drei volle Tage trocknen bevor sie dann in zwei Varianten verkauft werden: geschält und ungeschält. Erst nach dem die Nüsse getrocknet sind, sehen sie so aus, wie wir sie kennen. Der Preis für einen Kilo Erdnüsse liegt bei 10.000 bis 15.000 Indonesische Rupiah (umgerechnet ca. 0,65€)Geschält verdoppelt sich der Kilopreis. Der Preis fällt und sinkt natürlich je nach Wetterlage, Saison und Nachfrage.

Wir teilten unser Wissen, es war ein fruchtbarer Austausch auf beiden Seiten und so wurde auch der Rückweg zu einem spaßigen Erlebnis mit vielen zufriedenen Gesichtern.

Du möchtest auch bei der Ernte helfen? Oder mit den Frauen zu plauschen, Erdnüsse kaufen oder einfach den Wasserfall zu Fuß zu entdecken? Dann meld dich doch gern bei mir.


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